Rote und weiße Rose. Märchen

                                   Rote und weiße Rose

Rose rot und rose Weiß

Es waren einmal ein König und eine Königin, die waren schon viele Jahre miteinander vermählt. Ihr sehnlichster Wunsch nach einem Kinde war ihnen jedoch noch immer nicht in Erfüllung gegangen, und sie waren darüber sehr traurig.

Als die Königin eines Tages sinnend und kummervoll im Garten des Schlosses einherging, da begegnete ihr eine alte Frau. Diese fragte sie, warum sie denn gar so unglücklich ausschaue.

„Ach, wenn du es auch wüsstest, du kannst mir doch nicht helfen“, antwortete die Königin.
„Wer weiß, vielleicht kann ich dir raten“, sprach die Alte. Da vertraute ihr die Königin ihr Leid an.

„Oh, da ist Euch wohl zu helfen, wenn Ihr auf meinen Rat hören wollt“, gab da die alte Frau zur Antwort. „Am Abend, wenn die Sonne untergegangen sein wird, dann nehmt eine Schüssel und stellt sie in der Nordwestecke des Gartens auf. Am Morgen, bei Sonnenaufgang aber, da nehmt die Schüssel wieder weg. Es werden zwei Rosen an jenem Orte stehen, eine rote und eine weiße. Nehmt Ihr nun die rote und esst sie, so wird euer Kind ein Mädchen, nehmt Ihr aber die weiße, so wird es ein Knabe. Aber beide zusammen dürft Ihr nicht nehmen.“

Die Königin ging nach Hause und tat, wie die Alte ihr gesagt hatte. Als sie bei Sonnenaufgang die Schüssel aufhob, siehe, da standen da zwei Rosen, eine rote und eine weiße. Lange überlegte sie hin und her, welche der Rosen sie nehmen sollte. Endlich fiel ihre Wahl auf die rote, denn sie dachte bei sich, eine Tochter könnte bei ihr zu Hause bleiben und später in einem anderen Reiche Königin werden, während ein Sohn vielleicht im Kriege sein Leben verlieren würde. Also ergriff sie die rote Rose und verspeiste sie. Diese aber schmeckte gar vorzüglich, und es gelüstete sie so sehr nach der anderen, dass sie die Warnung der alten Frau vergaß und auch diese verspeiste. Dabei sprach sie zu sich selber: „Sind es nun Zwillinge, so habe ich zwei Kinder.“

Nun geschah es, dass der König in den Krieg gezogen war. Voller Freude schrieb ihm die Königin, sie trage ein Kind unter ihrem Herzen.

Als es an der Zeit war, dass sie gebären sollte, da war ihr Schmerz groß, denn in der Wiege lag kein Menschenkind, sondern ein kleiner Lindwurm.

Endlich kam der König nach Hause zurück. Die Königin stand am Schlosstor, um ihn zu begrüßen. Da sprang auch der Lindwurm herbei und rief: „Willkommen zu Hause, mein Vater!“ „Was sagst du“, rief der König entsetzt, „ich soll dein Vater sein?“
„Willst du nicht mein Vater sein, so fresse ich euch alle auf und zerstöre das ganze Königreich.“ Da musste der König ihn als seinen Sohn annehmen. Die Königin gestand ihm alles, was sich zwischen der Alten und ihr zugetragen.

Der Lindwurm aber wuchs und wuchs und war bald zu einem riesigen Ungeheuer herangewachsen, das eine ganze Kammer allein ausfüllte.
Eines Tages sprach er zu seinen Eltern: „Ich bin jetzt alt genug. Es ist an der Zeit, dass ich mich verheirate.“

Da ließen der König und die Königin im ganzen Land bekanntmachen, dass ihr Sohn eine Gemahlin suche. Aber als die jungen Frauen erfuhren, dass der Königssohn ein Lindwurm sei, da wollte sich keine mit ihm vermählen. Der Lindwurm aber sprach: „Bekomme ich keine Frau, so vernichte ich das ganze Reich.“

In ihrer Not ging die Königin zu allen armen Bauernmädchen, ja selbst zu den Bettlerinnen. Keine aber wollte den Lindwurm heiraten. Endlich gelangte sie zu der Hütte eines Schäfers, der hatte eine Tochter, die war über alle Maßen schön. „Willst du nicht meinen Sohn heiraten und Königin werden? Du sollst im Schloss wohnen, in Samt und Seide gekleidet sein und auf Daunen liegen.“ „Oh, Frau Königin, ich schlafe gut auf Stroh, und habe ich auch nicht viel, das ich mein eigen nennen kann, so freue ich mich doch meines Lebens. Euer Sohn aber wird mich verschlingen!“ Da weinte die Königin bittere Tränen und klagte, dann müssten wohl alle sterben, denn der Lindwurm habe gedroht, dass er das Land vernichten würde, wenn er keine Frau bekäme.

Als die Schäferstochter dies hörte, da wurde sie sehr traurig, und sie erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Mit schwerem Herzen ging sie in den Wald und grübelte hin und her. Wie sie so ging, begegnete sie auf einmal einer alten Frau. Diese fragte sie, warum sie denn gar so unglücklich dreinschaue. „Ich habe wohl Grund, traurig zu sein“, sprach sie und vertraute der Alten all ihren Kummer und ihre Not an. „Befolgst du meinen Rat, so ist dir wohl zu helfen“, antwortete die alte Frau. „Höre, was ich dir sage. Nimm den Lindwurm zum Manne, habe keine Furcht. Wenn ihr aber allein in der Kammer sein werdet, so wird er sagen: Zieh dein Hemd aus, schöne Jungfrau. Darauf sagst du ihm, zieh deine Haut aus. Da wird er dir gehorchen und die erste Haut ablegen. Du aber ziehst dein erstes Hemd aus, denn du trägst noch sechs andere darunter. So wird es fortgehen, bis er sich all seiner Häute und du all deiner Hemden entledigt. Dann wird er schwach und halbtot sein. Nun wasche ihn mit Salzlauge und bade ihn danach in warmer süßer Milch, wickle ihn in deine Hemden und du wirst sehen, alles wird gut sein.“

Das Mädchen dankte der Alten und tat, wie ihr geheißen.

Als sie nach dem Kirchgang mit dem Lindwurm allein in der Kammer war, da befahl dieser: „Zieh dein Hemd aus, schöne Jungfrau!“ Sie aber antwortete ihm: „Zieh du deine Haut aus.“ Da fauchte und zischte der Lindwurm, und doch musste er ihr zu Willen sein. Aber nun erhob er sich furchtbar gegen seine junge Frau und brüllte sie an: „Zieh dein Hemd aus, schöne Jungfrau!“
Sie aber antwortete ihm mit fester Stimme: „Zieh du zuerst deine Haut aus!“
Noch fürchterlicher tobte und wütete der Lindwurm, und doch tat er nach ihren Worten. Und so ging es nun mit allen sieben Häuten. Immer schrecklicher donnerte die Stimme des Ungeheuers, und immer näher drängte es sein grausiges Gesicht mit den glühenden Augen gegen das ihre. Immer wilder tobte es, spie Feuer und Schwefel und ließ das ganze Schloss erbeben. Die junge Frau aber blieb standhaft, wenn auch ihre Glieder zitterten und ihre Kräfte schwanden.

Als der Drache ohne seine Häute halbtot am Boden lag, wusch sie ihn mit der Salzlauge, badete ihn in warmer süßer Milch und wickelte ihn in ihre Hemden. Dann versank sie in einen tiefen Schlaf.

Wie groß aber war ihre Freude, als sie am Morgen in den Armen eines wunderschönen Jünglings erwachte. Der beugte sich über sie und küsste sie und sprach: „Hab Dank, schöne Schäferstochter, du hast mich erlöst.“

Nun wurde die Hochzeit erst in rechter Pracht gefeiert, und der Jüngling wurde nach dem Tode seines Vaters ein guter und gerechter König.

König Lindwurm Dänisches Volksmärchen

Rosenmärchen

 

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Märcheninterpretation Frau Holle

 Märcheninterpretation Frau Holle 

Märcheninterpretation Frau Holle

Beliebt sind sie, die Volksmärchen sowohl bei den kleinen, wie auch bei den großen Zuhörern aller Lebensalter. Jeder versteht Märchen unmittelbar. Sie bringen Vertrauen in das Leben, Orientierung auf das Wesentliche und Gewissheit: alles wird gut.

Manchmal schenkt uns das Märchen eine gute Idee, die wir gerade jetzt für unser Leben brauchen. Und wir sind darüber erfreut und erstaunt was das Märchen alles kann. Dann kann es vorkommen, dass wir uns auf die Suche machen nach einer Märchen-Interpretation um es besser verstehen zu können.

Was Wissenschaftler, Psychologen, Theologen über Märchen herausfinden, ist schön und interessant. Aber richtig erlebnisreich und spannend wird es, sobald Sie sich selbst dem Märchen zuwenden, es betrachten und zu sich persönlich sprechen lassen. Jedem, der sich dem Märchen mit Freude zuwendet ist es möglich Botschaften, die es beinhaltet zu entdecken und für das eigene Leben nützlich zu machen.

Märchenbilder beginnen zu Ihnen zu sprechen, sobald Sie sie betrachten. So können sie im Alltag nützliche Helfer werden für ein ausgeglichenes, liebevolles und aktives Leben.

Der Märchenerzähler und Ausbilder der Märchenerzähler Karlheinz Schudt zeigt Ihnen, wie Sie eine Märchenbetrachtung selbst machen können und welchen Nutzen Sie davon haben werden für ihr Leben.

Beginnen Sie gleich mit dem Märchen Frau Holle: lernen Sie Ihre eigenen Märchenbilder und -empfindungen kennen und schätzen, die Sie am Märchen erleben. Schöpfen Sie daraus die Weisheiten für Ihr Leben, die es Ihnen offenbart.

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Schatzsuche: Wo ist der Schatz?

Schatzsuche

fee
In besonderen Momenten des Lebens erscheinen im Märchen gelegentlich Feen und sie haben wertvolle Geschenke für das Neugeborene oder für einen armen Holzfäller, der sich etwas sehr wünscht. Als Beispiel wäre das in: Dornröschen zu finden oder im Märchen Der Teufel mit den 3 Goldenen Haaren.

Was die Feen weissagen, trifft immer ein. Allerdings kann es sein, dass man ein Weilchen warten muss, bis man entdeckt, dass der Wunsch schon in Erfüllung gegangen ist. Davon erzählt das folgende Märchen:

Am Ende des RegenbogensEs war einmal ein alter Mann. Der lebte ganz allein im Wald in einer kleinen Hütte und wahr sehr, sehr unglücklich. Jeden Tag saß er auf einer Bank vor seinem Häuschen und starrte vor sich hin. Erhörte nicht wie die Vögel sangen, er spürte den Wind nicht, der mit den Blättern der Bäume spielte, er fühlte nicht die Sonnenstrahlen auf seiner Haut, er roch den würzigen Tannenduft nicht, und er sah nicht, wie die Tiere des Waldes immer wieder zutraulich herankamen.

Er hielt den lieben langen Tag den Kopf gesenkt und dachte nach. Seine Gedanken kreisten immer nur um eine Sache. Warum, so fragte er sich wieder und wieder, warum nur war die Prophezeiung der schönen Fee nicht in Erfüllung gegangen? Dabei war der Fall doch ganz klar. Seine Mutter hatte ihm die Geschichte oft erzählt. Damals, als er vor vielen Jahren in dem tausend Jahre alten Wasserschloss, in der Mitte des Waldsees geboren wurde, damals, genau eine Stunde nach der Geburt, hatte plötzlich eine Fee an seiner Wiege gestanden.

Sie hatte wunderschöne lange Haare, erinnerte sich seine Mutter. Fein und schimmernd wie Spinnweben, auf die die Sonne scheint. Und sie hatte ein Lächeln auf den Lippen, das jeden, ob Mann oder Frau, dahinschmelzen ließ. Was die Fee dann gesagt hatte, das hat sich der Mann genau gemerkt, zu oft hatte es ihm seine Mutter, die nun natürlich längst gestorben war, wiederholen müssen. Am Ende des Regenbogens liegt ein großer Schatz für dich. Genau diese Worte hatte die Fee zu dem Säugling gesprochen. Dann war sie verschwunden.

Kaum war er alt genug, hatte der Mann auf der ganzen Welt nach diesem Schatz geforscht. Er war von Land zu Land gereist, hatte in den Bergen nach Edelsteinen, in den Flüssen nach Gold gesucht, und er war nach versunkenen Schiffen auf den Meeresgrund getaucht. Es war ein wildes, abenteuerliches Leben gewesen, voller Ungeduld und Gier. Doch den Schatz, nein, den hatte er nie gefunden. Er war arm wie eine Kirchenmaus geblieben, und sein Erbe, das schöne Wasserschloss, fiel an seinen jüngeren Bruder, weil er sich nie darum gekümmert hatte.

Am Ende des Regenbogens„Am Ende des Regenbogens, so ein Unsinn!“ pflegte er regelmäßig am Ende seiner Grübeleien zu sagen und missmutig in die Hütte zurückzustampfen, um sich schlafen zu legen.

So lebte er dahin, bis eines Tages etwas geschah. Es hatte tagelang geregnet, doch plötzlich war mit Macht die Sonne durchgebrochen, obwohl es noch etwas nieselte. Der alte Mann saß mal wieder mit gesenktem Kopf vor seiner Hütte und rupfte wütend eine kleine Blume. Doch plötzlich veränderte sich das Licht, und der alte Mann schreckte auf. Und da sah er es. Ein riesiger Regenbogen spannte sich über den Wald, hoch über die höchsten Wipfel der Bäume. Ein Regenbogen in den schönsten Farben, so prächtig, wie er es noch nie gesehen hatte. Und das Ende des Regenbogen zeigte genau auf ihn.

Ja, der alte Mann saß direkt am Ende des Regenbogens. Da kam ihm die Erleuchtung. Der Schatz am Ende des Regenbogens, das war er selber. Der alte Mann begann zu weinen. Er ging in seine Hütte und weinte drei Tage und drei Nächte lang.

Dann trat er wieder heraus. Er holte tief Luft und spürte, wie das Leben in ihn zurückströmte. Er fühlte sich um Jahrzehnte jünger. Er sah auf den Boden und bemerkte einen kleinen Käfer, der auf den Rücken gefallen war. Er bückte sich und drehte ihn behutsam herum. Dann blickte er hoch und nahm wahr, dass der Himmel leuchtend blau war.

Da wusste er, dass ein langes, glückliches Leben vor ihm lag.
Der Schatz am Rande des Regenbogens Märchen aus Norwegen

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Die schönste Blume. Märchen

Die schönste Blume. Märchen

Die schönste BlumeWie kommt es nur, dass wir, wenn wir einen Frosch sehen, sofort an das Märchen vom Froschköniog denken? Gleichzeitig kommt die Idee auf, dass der Frosch geküsst werden sollte und er sich alsdann verwandelt in einen schönen Prinzen.

Es ist eine märchenhafte Vorstellung, die zeigt, wie sehr sich der Mensch nach wahrer Liebe sehnt und er sich auch vorstellen kann, dass Verwandlungen möglich sind.

Im folgenden Märchen geht es auch um einen Frosch. Doch wie es kommt, dass er sich in menschliche Gestalt verwandelt, ist ganz anders und wunderschön:

Das Froschmädchen MärchenEs waren einmal ein Mann und eine Frau, die waren schon alt und hatten kein Kind. Sie beteten immer zu Gott, er möge ihnen doch ein Kind schenken. Schließlich gingen sie auf eine Wallfahrt und wieder baten sie um ein Kind, selbst wenn es ein Frosch sei.

 Sie kehrten nach Hause zurück, und nach neun Monaten wurde ihnen ein Kind geboren – aber was für eins? Ein Frosch!
 Aber sie waren zufriedener damit, als wenn sie gar keins gehabt hätten.

 Der Frosch hielt sich immer im Weinberg auf und kam nur selten nach Hause. Der Vater arbeitete im Weinberg, und seine Frau brachte ihm jeden Tag sein Mittagessen dorthin.
 Aber da sie schon alt war, fing sie eines Tages an zu klagen: „Ach, meine Füße wolle nicht mehr! Ich kann dir das Essen nicht mehr bringen!“

 Da kam das Froschmädchen von draußen herein – es war nun schon vierzehn Jahre alt – und sagte:
 „Liebste Mutter, ich sehe wohl, ihr könnt dem Vater das Essen nicht mehr bringen. Gebt es mir, ich gehe damit.“
 „Ach, meine liebe Tochter, das wird dir schwer ankommen. Wie könntest du das Essen bringen? Du hast ja keine Hände, den Topf zu tragen!“

Das Froschmädchen Märchen „Ich kann ihn tragen“, antwortete der Frosch. „Setz mir nur den Topf auf den Rücken und binde ihn mir an den Beinen fest. Und dann sei unbesorgt!“
 „Nun, so versuche, ob du es kannst. „

 Und die Mutter tat, wie es ihr die Tochter gesagt hatte.
 Das Froschmädchen trug ihre Last den staubigen Weg entlang. Als sie aber an das Gitter des Weinbergs kam, wo der Vater arbeitete, konnte sie es nicht öffnen und auch nicht hinübersteigen. Da rief das Froschmädchen seinen Vater, der kam, nahm ihr den Topf ab und aß.

 Da sagte das Froschmädchen: „Vater, setz mich doch auf den Kirschbaum!“
 Der Vater hob sie auf den Baum, und der Frosch fing an zu singen, so schön – nein, so schön -, dass man meinen könnte, die Elfen sängen dort.

 Da kam ein Königssohn vorüber, der war auf die Jagd geritten. Er lauschte lange dem Gesang, und als nichts mehr zu hören war, ging er zu dem Alten und fragte: „Alter, wer singt so schön?“

 Der Alte antwortete: „Ich weiß es nicht. Ich habe nichts gesehen und gehört. Nur die Krähen flogen vorüber.“

 „Aber sagt mir doch, wer es ist! Wenn es ein Mann ist, soll er mein Kamerad sein. Ist es ein Mädchen, so soll es mein Liebchen werden.“
 Doch der Alte schämte und scheute sich und wollte nichts sagen.

Das Froschmädchen MärchenAm anderen Tage brachte das Froschmädchen wieder dem Vater das Mittagessen. Er setzte es auch wieder auf den Kirschbaum, und der Frosch fing wieder an zu singen, dass das ganze Tal widerhallte.

 Der Königssohn war auch wieder auf die Jagd geritten, vor allem aber war er gekommen, um zu hören, wer da sang. Wie nun der Königssohn den Gesang hörte, lauschte er, und als das Froschmädchen aufgehört hatte zu singen, ging er wiederum zu dem Alten und fragte:
 „Sagt mir doch, wer da singt!“

 Der Alte antwortete: „Ich weiß es nicht. Ich habe nichts gesehen noch gehört. Die Krähen flogen vorüber.“

 „Aber der Gesang ergreift mir das Herz! Ihr wisst es sicherlich, Alter, wer da singt. Wenn es ein Mann ist, soll er mein Kamerad sein. Ist es ein Mädchen, so soll es mein Liebchen werden!“

 Da antwortete der Alte: „Ich möchte es wohl sagen, aber ich schäme mich – und Euch wird es auch verdrießen.“

 „Habt nur keine Angst, erzählt es mir“, bat der Königssohn.
 Da erzählte der Alte ihm: „Der da singt, ist ein Frosch! Und es ist meine Tochter!“

 „Nun, so sag ihr, dass sie herabkommen soll.“
 Da kam das Froschmädchen herab und hub noch einmal zu singen an.

Das Froschmädchen MärchenDem Königssohn hüpfte das Herz vor Vergnügen und er bat:
 „So sei du mein Liebchen! Morgen kommen die Bräute meiner Brüder in den Palast. Und demjenigen, dessen Braut die schönste Rose mitbringt, will der König sein ganzes Reich geben. Geh du als mein Liebchen dorthin und bringe dem König eine Rose, wie du sie ausgesucht hast!“

 Das Froschmädchen antwortete: „Ich werde kommen, wie du es wünscht. Du musst mir aber vom Hofe den weißen Hahn schicken, auf dem will ich reiten.“

Da ritt der Königssohn zurück und schickte vom Hofe den weißen Hahn.
 Das Mädchen aber ging zur Sonne und bat um Sonnenkleider.

Am nächsten Morgen bestieg das Froschmädchen den weißen Hahn und nahm die Sonnenkleider mit. So ritt sie zur Königsstadt. Als aber ein Frosch auf einem Hahn an die Stadtwache kam, wollte diese sie nicht hereinlassen. Das Froschmädchen aber sagte, es wolle sich beim Königssohn beklagen! Da öffnete man das Tor.

Sowie sie die Stadt betreten hatten, verwandelte sich der Hahn in eine weiße Elfe. Aus dem Frosch aber wurde das schönste Mädchen von der Welt. Es zog seine Sonnenkleider an und trug in der Hand als Blüte eine Weizenähre. So schritt es zum Königspalast.

Das Froschmädchen MärchenDa kam der König zu der Braut seines ältesten Sohnes. Sie zeigte ihm eine wunderschöne Rose. Darauf ging er zu der Braut des anderen Sohnes, sie zeigte ihm eine Nelke. Dann wandte er sich zu der Braut des jüngsten Sohnes, sah die Weizenähre und sagte:
 “ Du hast uns die schönste und zugleich die nützlichste Rose gebracht. Ich sehe, du weißt, dass man ohne Weizen nicht leben kann – und dass du zu wirtschaften verstehst. Was sollen uns andere Rosen und Gepränge? Werde du die Frau meines jüngsten Sohnes, dessen Liebchen du warst. Ihm will ich mein Königreich hinterlassen.“

Und so wurde das Froschmädchen eine Königin.
 
Das Froschmädchen Märchen aus Albanien
   
 Das Froschmädchen Märchen

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Alte Rosenmärchen. Der verwunschene Frosch.

Alte Rosenmärchen

Alte RosenmärchenIn diesem Märchen begegnet uns eine Rose die nicht leicht zu bekommen ist, denn die jüngste Tochter, die des Vaters Lieblingstochter ist, wünscht sich eine ganz außergewöhnliche Rose, denn sie muss 3 Farben haben. So führt uns der Weg des Vaters in einen herrlichen Rosengarten, der mag wohl so schön sein, nein so schön wie im Paradies. Ob es dort die Rose gibt und zu welchem Preis er sie bekommen würde, das erzählt das folgende Märchen.

Alte Rosenmärchen

Es war einmal ein Kaufmann; der hatte drei Töchter, seine Frau aber war beim lieben Gott. Einst wollte er über das Weltmeer nach einem fremden Lande, um Gold und andere kostbare Sachen zu holen, und er tröstete die weinenden Kinder und sagte: »Ich bringe euch auch was Schönes mit! Was wünscht ihr euch?«
Die älteste bat um ein seidenes Kleid: »Es muss aber von dreierlei Seide sein.«

Die zweite wünschte sich einen Federhut: »Er muss aber dreierlei Federn haben.«

Die jüngste endlich sagte: »Mir bring eine Rose mit, lieber Vater; sie muss aber frisch und von dreierlei Farbe sein.«

Der Kaufmann versprach es, küsste die Töchter und reiste weg.

Nachdem er in dem fremden Lande angekommen war, bestellte er für seine älteste Tochter das Kleid von dreierlei Seide, für die zweite den Hut mit dreierlei Federn, und beides war bald fertig und von seltener Pracht. Nun sandte er auch Boten aus durch dasselbige ganze Land, um für seine jüngste und liebste Tochter die dreifarbige Rose zu suchen; doch alle kamen mit leerer Hand zurück, obgleich der Kaufmann viel Gold ausgelobt hatte, und obgleich es dort mehr Rosen gab, als Gänseblümchen bei uns.

Traurig fuhr er wieder heim und war die ganze Reise missmutig. Da kam er diesseits des Weltmeers an einem großen Garten vorbei, in dem gab es nichts als lauter Rosen und Rosen. Er ging hinein und suchte, und siehe! auf einem schlanken Strauche mitten im Garten saß die dreifarbige Rose. Voller Freude brach er sie und wollte wieder zurück. Da aber war er festgebannt, und eine Stimme hinter ihm rief: »Was willst du in meinem Garten?«

Alte Rosenmärchen

Er sah hin, und ein großer Frosch saß dort am Ufer eines klaren Teiches, stierte ihn an mit seinen Glotzaugen und sagte: »Du hast meine liebe Rose gebrochen und bist dafür dem Tode verfallen, es wäre denn, dass du mir deine jüngste Tochter zur Frau gäbest.«

Der Kaufmann erschrak und bat und flehte. Es war aber alles vergebens, und so musste er sich endlich entschließen, seine liebste Tochter dem hässlichen Frosch zu verloben. Da waren seine Füße gelöst, und er wanderte frei aus dem Garten. Der Frosch aber rief ihm noch nach: »In sieben Tagen hole ich meine Gemahlin!«

Das war ein Herzeleid, als der Kaufmann der jüngsten Tochter die frische Rose gab und dabei den Vorfall erzählte! Und als der schreckliche Tag kam, kroch sie unter ihr Bett, denn sie wollte und wollte nicht mit.
Um die Mittagsstunde aber kam ein stattlicher Wagen vorgefahren; und der Frosch schickte seine Diener ins Haus, die gingen stracks in die Kammer, holten die schreiende Jungfrau unter dem Bett hervor und trugen sie in den Wagen. Die Rosse sprangen davon, und in kurzer Zeit waren sie in dem blühenden Rosengarten.

Mitten im Garten, dicht hinter dem klaren Teiche, stand ein kleines Haus; die Braut wurde ins Haus gebracht und auf ein weiches Bett gelegt, der Frosch aber sprang ins Wasser.

Als es dunkel wurde, und die Jungfrau aus ihrer Ohnmacht erwachte, hörte sie, wie der Frosch draußen im Teiche wundersüße Weisen sang; und je näher Mitternacht kam, desto lieblicher sang er, und immer näher und näher kam es heran. Mitternacht öffnete sich die Kammertür, und der Frosch hüpfte auf ihr Bett. Er hatte aber ihr Herz gerührt mit seinen süßen Liedern, und sie nahm ihn mit ins Bett und deckte ihn warm zu.

Alte Rosenmärchen

Und am andern Morgen, als sie die Augen öffnete,
siehe!
da war der hässliche Frosch
der schönste Königssohn von der Welt;
und er dankte ihr herzlich und sagte:
»Du hast mich erlöst
und bist nun meine Gemahlin!«

Da haben sie lange glücklich und zufrieden miteinander gelebt.

Der verwunschene Frosch. Märchen aus Deutschland

Alte Rosenmärchen
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Das Wasser des Lebens Grimms Märchen

Das Wasser des Lebens Grimms Märchen

Wasser des Lebens
Es war einmal ein König, der war krank, und niemand glaubte, dass er mit dem Leben davonkäme. Er hatte aber drei Söhne, die waren darüber betrübt, gingen hinunter in den Schlossgarten und weinten. Da begegnete ihnen ein alter Mann, der fragte sie nach ihrem Kummer. Sie sagten ihm, ihr Vater wäre so krank, dass er wohl sterben würde, denn es wollte ihm nichts helfen. Da sprach der Alte: „Ich weiß noch ein Mittel, das ist das Wasser des Lebens; wenn er davon trinkt, so wird er wieder gesund; es ist aber schwer zu finden.“ Der älteste sagte: „Ich will es schon finden“, ging zum kranken König und bat ihn, er möchte ihm erlauben, auszuziehen, um das Wasser des Lebens zu suchen, denn das könnte ihn allein heilen. „Nein“, sprach der König, „die Gefahr dabei ist zu groß, lieber will ich sterben.“ Er bat aber so lange, bis der König einwilligte.
Der Prinz dachte in seinem Herzen: „Bringe ich das Wasser, so bin ich meinem Vater der liebste und erbe das Reich.“

Wasser des Lebens
Also machte er sich auf, und als er eine Zeitlang fortgeritten war, stand da ein Zwerg auf dem Wege, der rief ihn an und sprach: „Wo hinaus so geschwind?“ – „Dummer Knirps“, sagte der Prinz ganz stolz, „das brauchst du nicht wissen“, und ritt weiter. Das kleine Männchen aber war zornig geworden und hatte einen bösen Wunsch getan. Der Prinz geriet bald hernach in eine Bergschlucht, und je weiter er ritt, je enger taten sich die Berge zusammen, und endlich ward der Weg so eng, dass er keinen Schritt weiterkonnte; es war nicht möglich, das Pferd zu wenden oder aus dem Sattel zu steigen, und er saß da wie eingesperrt. Der kranke König wartete lange Zeit auf ihn, aber er kam nicht. Da sagte der zweite Sohn: „Vater, lass mich ausziehen und das Wasser suchen“, und dachte bei sich:
„Ist mein Bruder tot, so fällt das Reich mir zu.“ Der König wollte ihn anfangs auch nicht ziehen lassen, endlich gab er nach.

Wasser des Lebens

Der Prinz zog also auf demselben Wege fort, den sein Bruder eingeschlagen hatte, und begegnete auch dem Zwerg, der ihn anhielt und fragte, wohin er so eilig wolle. „Kleiner Knirps“, sagte der Prinz, „das brauchst du nicht zu wissen“, und ritt fort, ohne sich weiter umzusehen. Aber der Zwerg verwünschte ihn, und er geriet wie der andere in eine Bergschlucht und konnte nicht vorwärts noch rückwärts. So geht’s aber den Hochmütigen.
Als auch der zweite Sohn ausblieb, erbot sich der jüngste, auszuziehen und das Wasser zu holen, und der König musste ihn endlich ziehen lassen.
Als er dem Zwerg begegnete und dieser fragte, wohin er so eilig wolle, so hielt er an, gab ihm Rede und Antwort und sagte: „Ich suche das Wasser des Lebens, denn mein Vater ist sterbenskrank.“ – „Weißt du auch, wo das zu finden ist?“ fragte der Zwerg. „Nein“, antwortete der Prinz. „So hör‘ zu“, sagte der Zwerg. „Weil du dich betragen hast, wie sich’s geziemt, nicht übermütig wie deine falschen Brüder, will ich dir Auskunft geben und dir sagen, wie du zu dem Wasser des Lebens gelangst.

Wasser des Lebens

Es quillt aus einem Brunnen in dem Hofe eines verwünschten Schlosses, aber du dringst nicht hinein, wenn ich dir nicht eine eiserne Rute gebe und zwei Laibchen Brot. Mit der Rote schlag‘ dreimal an das eiserne Tor des Schlosses, so wird es aufspringen. Inwendig liegen zwei Löwen, die den Rachen aufsperren; wenn du aber jedem ein Brot hineinwirfst, so werden sie still, und dann eile dich und hol‘ von dem Wasser des Lebens, bevor es zwölf schlägt, sonst schlägt das Tor wieder zu und du bist eingesperrt.“
Der Prinz dankte ihm, nahm die Rute und das Brot und machte sich auf den Weg. Und als er anlangte, war alles so, wie der Zwerg gesagt hatte. Das Tor sprang beim dritten Rutenschlag auf, und als er die Löwen mit dem Brote besänftigt hatte, trat er in das Schloss und kam in einen großen, schönen Saal; darin saßen verwünschte Prinzen, denen zog er die Ringe vom Finger, dann lag da ein Schwert und ein Brot, das nahm er weg.
Und weiter kam er in ein Zimmer, darin stand eine schöne Jungfrau, die freute sich, als sie ihn sah, küsste ihn und sagte, er hätte sie erlöst und sollte ihr ganzes Reich haben, und wenn er in einem Jahre wiederkäme, so sollte ihre Hochzeit gefeiert werden. Dann sagte sie ihm auch, wo der Brunnen wäre mit dem Lebenswasser, er müsste sich aber eilen und daraus schöpfen, eh‘ es zwölf schlüge.

Da ging er weiter und kam endlich in ein Zimmer, wo ein schönes frischgedecktes Bett stand, und weil er müde war, wollte er erst ein wenig ausruhen. Also legte er sich und schlief ein; als er erwachte, schlug es drei Viertel auf zwölf. Da sprang er ganz erschrocken auf, lief zu dem Brunnen und schöpfte daraus mit einem Becher, der daneben stand, und eilte, dass er fortkam. Wie er eben zum eisernen Tor hinausging, da schlug’s zwölf, und das Tor schlug so heftig zu, dass es ihm noch ein Stück von der Ferse wegnahm.

Er aber war froh, dass er das Wasser des Lebens erlangt hatte, ging heimwärts und kam wieder an dem Zwerg vorbei. Als dieser das Schwert und das Brot sah, sprach er: „Damit hast du großes Gut gewonnen, mit dem Schwert kannst du ganze Heere schlagen, das Brot aber wird niemals alle.“

Wasser des Lebens
Der Prinz wollte ohne seine Brüder nicht zu dem Vater nach Hause kommen und sprach: „Lieber Zwerg, kannst du mir nicht sagen, wo meine zwei Brüder sind? Sie sind früher als ich nach dem Wasser des Lebens ausgezogen und sind nicht wiedergekommen.“ – „Zwischen zwei Bergen stecken sie eingeschlossen“, sprach der Zwerg, „dahin habe ich sie verwünscht, weil sie so übermütig waren.“ Da bat der Prinz so lange, bis der Zwerg sie wieder losließ, aber er warnte ihn und sprach: „Hüte dich vor ihnen, sie haben ein böses Herz.“

Als seine Brüder kamen, freute er sich und erzählte ihnen, wie es ihm ergangen sei, dass er das Wasser des Lebens gefunden und einen Becher voll mitgenommen und eine schöne Prinzessin erlöst hätte, die wollte ein Jahr lang auf ihn warten, dann sollte Hochzeit gehalten werden, und er bekäme ein großes Reich. Danach ritten sie zusammen fort und gerieten in ein Land, wo Hunger und Krieg war, und der König glaubte schon, er müsste verderben, so groß war die Not. Da ging der Prinz zu ihm und gab ihm das Brot, womit er sein ganzes Reich speiste und sättigte; und dann gab ihm der Prinz auch das Schwert, damit schlug er die Heere seiner Feinde und konnte nun in Ruhe und Frieden leben. Da nahm der Prinz sein Brot und sein Schwert wieder zurück, und die drei Brüder ritten weiter.
Sie kamen aber noch in zwei Länder, wo auch Hunger und Krieg herrschten, und da gab der Prinz den Königen jedes Mal sein Brot und Schwert und hatte nun drei Reiche gerettet. Und danach setzten sie sich auf ein Schiff und fuhren übers Meer. Während der Fahrt sprachen die beiden ältesten unter sich: „Der jüngste hat das Wasser des Lebens gefunden und wir nicht, dafür wird ihm unser Vater das Reich geben, das uns gebührt, und er wird unser Glück wegnehmen.“ Da wurden sie rachsüchtig und verabredeten miteinander, dass sie ihn verderben wollten. Sie warteten, bis er einmal fest eingeschlafen war, da gossen sie das Wasser des Lebens aus dem Becher und nahmen es für sich, ihm aber gossen sie bitteres Meerwasser hinein.
Wasser des Lebens
Als sie nun daheim ankamen brachte der jüngste dem kranken König seinen Becher, damit er daraus trinken und gesund werden sollte. Kaum aber hatte er ein wenig von dem bitteren Meerwasser getrunken, da wurde er noch kränker als zuvor. Und wie er darüber jammerte, kamen die beiden ältesten Söhne und klagten den jüngsten an, er hätte ihn vergiften wollen, sie brächten ihm das rechte Wasser des Lebens und reichten es ihm. Kaum hatte er davon getrunken, so fühlte er seine Krankheit verschwinden und war stark und gesund wie in seinen jungen Tagen.

Danach gingen die beiden zu dem jüngsten, verspotteten ihn und sagten: „Du hast zwar das Wasser des Lebens gefunden, aber du hast die Mühe gehabt und wir den Lohn; du hättest klüger sein und die Augen aufbehalten sollen; wir haben dir’s genommen, während du auf dem Meere eingeschlafen warst, und übers Jahr, da holt sich einer von uns die schöne Königstochter. Aber hüte dich, dass du nichts davon verrätst, der Vater glaubt dir doch nicht, und wenn du ein einziges Wort sagst, sollst du noch obendrein dein Leben verlieren, schweigst du aber, so soll dir’s geschenkt sein.“
Wasser des Lebens
Der alte König war zornig über seinen jüngsten Sohn und glaubte, er hätte ihm nach dem Leben getrachtet. Also ließ er den Hof versammeln und das Urteil über ihn sprechen, dass er heimlich sollte erschossen werden. Als der Prinz nun einmal auf die Jagd ritt und nichts Böses vermutete, musste des Königs Jäger mitgehen. Draußen, als sie ganz allein im Walde waren und der Jäger so traurig aussah, sagte der Prinz zu ihm: „Lieber Jäger, was fehlt dir?“ Der Jäger sprach: „Ich kann’s nicht sagen und soll es doch.“ Da sprach der Prinz: „Sage heraus, was es ist, ich will dir’s verzeihen.“ – „Ach“, sagte der Jäger, „ich soll Euch totschießen‘ der König hat mir’s befohlen.“ Da erschrak der Prinz und sprach: „Lieber Jäger, lass‘ mich leben, da geb‘ ich dir mein königliches Kleid, gib mir dafür dein schlechtes.“ Der Jäger sagte: „Das will ich gerne tun, ich hätte doch nicht nach Euch schießen können.“ Da tauschten sie die Kleider, und der Jäger ging heim, der Prinz aber ging weiter in den Wald hinein.

Über eine Zeit, da kamen zu dem alten König drei Wagen mit Gold und Edelsteinen für seinen jüngsten Sohn; sie waren aber von den drei Königen geschickt, die mit des Prinzen Schwert die Feinde geschlagen und mit seinem Brot ihr Land ernährt hatten und die sich dankbar bezeigen wollten. Da dachte der alte König: „Sollte mein Sohn unschuldig gewesen sein?“ und sprach zu seinen Leuten: „Wäre er noch am Leben, wie tut mir’s leid, dass ich ihn habe töten lassen!“ – „Er lebt noch“, sprach der Jäger, „ich konnte es nicht übers Herz bringen, Euern Befehl auszuführen“, und sagte dem König, wie es zugegangen war. Da fiel dem König ein Stein vom Herzen, und er ließ in allen Reichen verkündigen, sein Sohn dürfte wiederkommen und sollte in Gnaden aufgenommen werden.

Die Königstochter aber ließ eine Straße vor ihrem Schlosse machen, die war ganz golden und glänzend, und sagte ihren Leuten, wer darauf geradewegs zu ihr geritten käme, das wäre der rechte und den sollten sie einlassen, wer aber daneben käme, der wäre der rechte nicht, und den sollten sie auch nicht einlassen. Als nun die Zeit bald herum war, dachte der älteste, er wolle sich eilen, zur Königstochter gehen und sich für ihren Erlöser ausgeben, da bekäme er sie zur Gemahlin und das Reich dazu. Also ritt er fort, und als er vor das Schloss kam und die schöne goldene Straße sah, dachte er: „Das wäre jammerschade, wenn du darauf rittest“, lenkte ab und ritt rechts nebenher. Wie er aber vor das Tor kam, sagten die Leute zu ihm, er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen.
Bald darauf machte sich der zweite Prinz auf, und wie der zur goldenen Straße kam und das Pferd den einen Fuß darauf gesetzt hatte, dachte er: „Es wäre jammerschade, das Pferd könnte etwas abtreten“, lenkte ab und ritt links nebenher. Wie er aber vor das Tor kam, sagten die Leute, er wäre der rechte nicht, er sollte wieder fortgehen.
Wasser des Lebens
Als nun das Jahr ganz herum war, wollte der dritte aus dem Walde fort zu seiner Liebsten reiten und bei ihr sein Leid vergessen. Also machte er sich auf und dachte immer an sie und wäre gern schon bei ihr gewesen, und sah die goldene Straße gar nicht. Da ritt sein Pferd mitten darüber hin, und als er vor das Tor kam, ward es aufgetan und die Königstochter empfing ihn mit Freuden und sagte, er wäre ihr Erlöser und der Herr des Königreichs; und ward die Hochzeit gehalten mit großer Glückseligkeit.
Und als sie vorbei war, erzählte sie ihm, dass sein Vater ihn zu sich entboten und ihm verziehen hätte. Da ritt er hin und sagte ihm alles, wie seine Brüder ihn betrogen und er doch dazu geschwiegen hätte. Der alte König wollte sie strafen, aber sie hatten sich aufs Meer gesetzt und waren fortgeschifft und kamen ihr Lebtag nicht wieder.

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Märchen von Bäumen. Verlag Märchenhaft leben

 Märchen von Bäumen

Märchen von BäumenBäume sind wie Freunde und viele Menschen haben eine tiefe Zuneigung zu ihnen. Und da sie auch uns vom Verlag Märchenhaft leben am Herzen liegen, haben wir die schönsten Baummärchen in einem Büchlein zusammengestellt für alle Freunde des Märchens und der Natur. Also jetzt hier eines davon:

Drei Männer trafen sich auf einer Passhöhe, vom Schneesturm verfolgt, und suchten Schutz in einer kleinen Hütte. Der eine war ein Seidenhändler, der andere handelte mit Edelsteinen, der dritte aber trug nichts bei sich als verschieden Messer, die er in einer Tasche am Gürtel verwahrte. Er war ein Holzschnitzer und weithin berühmt für seine Kunst. Während der Seidenhändler und der Edelsteinverkäufer sich, mürrisch über den erzwungenen Aufenthalt, daranmachten, ein Feuer zu entfachen, fiel der Blick des Holzschnitzers auf ein hohes und starkes Stück Holz, das in einer Ecke lehnte, und er wurde von der Leidenschaft des Künstlers erfasst und begann, eine menschliche Gestalt zu schnitzen, obwohl Allah die Nachbildung seines Ebenbildes verboten hat.   “Allah, der alles versteht und verzeiht, wird, wenn er überhaupt durch den Schneesturm sehen kann, gewiss so tun, als sehe er nichts”, beruhigte der Künstler sein Gewissen.   Als das Feuer knisterte und wärmte, kamen die beiden Händler näher, um das Tun und Treiben des Schnitzenden zu betrachten. “Allah, verzeih uns – es wird ein Weib!”, stieß der Seidenhändler aus und ging zu seinen Bündeln, um herbeizuholen, was sich für ein Weib geziemt, kostbare Seidenstoffe.  

Der Händler mit den Edelsteinen sah dem Holzschnitzer noch eine Weile zu, ging dann abseits und griff unter seine Kleidung, wo er Juwelen und Edelsteine verbarg, um sie für die Frau hervorzuholen.  

Der Bildschnitzer aber fuhr fort zu schnitzen, verspürte weder Müdigkeit noch Kälte, weder Hunger noch Durst, bis der Morgen graute und er sein Werk vollendet hatte. Er verbeugte sich vor dem Bildwerk, kreuzte die Arme und sprach: “Schönste der Frauen, die du mein eigen bist, mehr, als es jemals eine Frau war, o sei gesegnet, dass du unter meinen Händen wurdest und nun mein bist, ganz allein nur mein!”   Mit diesen Worten sank er erschöpft zu Boden.  

Da kam der Seidenhändler heran und sprach: “Die Frau ist schön, und sie ist mein! Denn wer ein Weib bekleidet, dem gehört es!”  

Nun schob aber der Juwelenhändler den andern beiseite, holte die Geschmeide hervor und begann, sie um Brust und Hals der hölzernen Frau zu hängen, und sprach: “Wer ist es, dem eine Frau gehört, wenn nicht jenem, der sie mit Juwelen schmückt? Keine Schönheit gibt es, die unter Juwelen nicht leuchtender würde. Sie ist mein!”  

Nun erwachte der Holzschnitzer wieder und hörte den Streit und stellte sich schützend vor sein Geschöpf: “Mein ist sie! Wem anders als dem, der sie schuf, könnte sie gehören?”  

Als er das gesagt hatte, gab es einen kräftigen Windstoß, der die Hütte erschütterte und die Tür mit Gewalt aufriss. Die drei Männer wichen erschreckt zur Seite, denn die hölzerne Frau begann sich zu bewegen, und es war, als bahne ihr der Wind den Weg. Sie schritt langsam, so als werde sie gezogen, auf die Tür zu, kam hinaus in den schneeweißen Morgen der Berghöhe und bahnte sich ihren Pfad zu einem großen, wunderbar starken Zedernbaum, der hier auf den Höhen der Berge Wache hielt über die Weite und Stille.  

Die Frau war nun bei dem schönen, starken Baum angelangt, hob die Arme und legte die Hände flach an den Stamm, durch welche Bewegung alles von ihr abfiel, was die Männer ihr angehängt hatten. Der Stamm öffnete sich, und die Frau setzte einen Fuß in die Öffnung, drehte sich jedoch noch einmal lächelnd zu dem um, der sich geschaffen hatte – und verschwand. Der Stamm hatte sich hinter ihr geschlossen, und der gewaltige Baum stand reglos, zeitfern und erhaben dort.  

“Zu seinem Ursprung kehrt jedes Ding zurück”, sagte der Bildschnitzer leise, wandte sich ab, holte seinen Mantel aus der Hütte und seine zerstreuten Messer und schritt, ohne Gruß und ohne sich umzuschauen, über die Passhöhe hinunter ins Tal.  

Das Märchen vom Zedernbaum  Alttürkisches Märchen
Aus dem Märchen Büchlein:
Bis in den Himmel hinein. Märchen von himmelhohen Bäumen
20 Märchen von Bäumen zum Vorlesen und erzählen

 

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Märchen von Bäumenoder den folgenden Link: Hier gehts zur Info über die Baum Märchen

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Spindel, Weberschiffchen und Nadel

Spindel, Weberschiffchen und Nadel

Es war einmal ein Mädchen, dem starb Vater und Mutter, als es noch ein kleines Kind war. Am Ende des Dorfes wohnte in einem Häuschen ganz allein seine Pate, die sich von Spinnen, Weben und Nähen ernährte. Die Alte nahm das verlassene Kind zu sich, hielt es zur Arbeit an und erzog es in aller Frömmigkeit. Als das Mädchen fünfzehn Jahre alt war, erkrankte sie, rief das Kind an ihr Bett und sagte »liebe Tochter, ich fühle, daß mein Ende herannaht, ich hinterlasse dir das Häuschen, darin bist du vor Wind und Wetter geschützt, dazu Spindel, Weberschiffchen und Nadel, damit kannst du dir dein Brot verdienen.« Sie legte noch die Hände auf seinen Kopf, segnete es und sprach »behalt nur Gott in dem Herzen, so wird dirs wohl gehen.« Darauf schloß sie die Augen, und als sie zur Erde bestattet wurde, ging das Mädchen bitterlich weinend hinter dem Sarg und erwies ihr die letzte Ehre.

Das Mädchen lebte nun in dem kleinen Haus ganz allein, war fleißig, spann, webte und nähte, und auf allem, was es tat, ruhte der Segen der guten Alten. Es war, als ob sich der Flachs in der Kammer von selbst mehrte, und wenn sie ein Stück Tuch oder einen Teppich gewebt oder ein Hemd genäht hatte, so fand sich gleich ein Käufer, der es reichlich bezahlte, so daß sie keine Not empfand und andern noch etwas mitteilen konnte.

Um diese Zeit zog der Sohn des Königs im Land umher und wollte sich eine Braut suchen. Eine arme sollte er nicht wählen und eine reiche wollte er nicht. Da sprach er »die soll meine Frau werden, die zugleich die ärmste und die reichste ist.« Als er in das Dorf kam, wo das Mädchen lebte, fragte er, wie er überall tat, wer in dem Ort die reichste und die ärmste wäre. Sie nannten ihm die reichste zuerst: die ärmste, sagten sie, wäre das Mädchen, das in dem kleinen Haus ganz am Ende wohnte. Die Reiche saß vor der Haustür in vollem Putz, und als der Königssohn sich näherte, stand sie auf, ging ihm entgegen und neigte sich vor ihm. Er sah sie an, sprach kein Wort und ritt weiter.
Spindel, Weberschiffchen und Nadel
Als er zu dem Haus der Armen kam, stand das Mädchen nicht an der Türe, sondern saß in seinem Stübchen. Er hielt das Pferd an und sah durch das Fenster, durch das die helle Sonne schien, das Mädchen an dem Spinnrad sitzen und emsig spinnen. Es blickte auf, und als es bemerkte, daß der Königssohn hereinschaute, ward es über und über rot, schlug die Augen nieder und spann weiter; ob der Faden diesmal ganz gleich ward, weiß ich nicht, aber es spann so lange, bis der Königssohn wieder weggeritten war. Dann trat es ans Fenster, öffnete es und sagte »es ist so heiß in der Stube,« aber es blickte ihm nach, solange es noch die weißen Federn an seinem Hut erkennen konnte.

Das Mädchen setzte sich wieder in seine Stube zur Arbeit und spann weiter. Da kam ihm ein Spruch in den Sinn, den die Alte manchmal gesagt hatte, wenn es bei der Arbeit saß, und es sang so vor sich hin

»Spindel, Spindel, geh du aus,
bring den Freier in mein Haus.«

Was geschah? Die Spindel sprang ihm augenblicklich aus der Hand und zur Türe hinaus; und als es vor Verwunderung aufstand und ihr nachblickte, so sah es, daß sie lustig in das Feld hineintanzte und einen glänzenden goldenen Faden hinter sich herzog. Nicht lange, so war sie ihm aus den Augen entschwunden. Das Mädchen, da es keine Spindel mehr hatte, nahm das Weberschiffchen in die Hand, setzte sich an den Webstuhl und fing an zu weben.
Spindel, Weberschiffchen und Nadel
Die Spindel aber tanzte immer weiter, und eben als der Faden zu Ende war, hatte sie den Königssohn erreicht. »Was sehe ich?« rief er, »die Spindel will mir wohl den Weg zeigen?« drehte sein Pferd um und ritt an dem goldenen Faden zurück. Das Mädchen aber saß an seiner Arbeit und sang

»Schiffchen, Schiffchen, webe fein,
führ den Freier mir herein.«

Alsbald sprang ihr das Schiffchen aus der Hand und sprang zur Türe hinaus. Vor der Türschwelle aber fing es an einen Teppich zu weben, schöner, als man je einen gesehen hat. Auf beiden Seiten blühten Rosen und Lilien, und in der Mitte auf goldenem Grund stiegen grüne Ranken herauf, darin sprangen Hasen und Kaninchen: Hirsche und Rehe streckten die Köpfe dazwischen: oben in den Zweigen saßen bunte Vögel; es fehlte nichts, als daß sie gesungen hätten. Das Schiffchen sprang hin und her, und es war, als wüchse alles von selber.

Weil das Schiffchen fortgelaufen war, hatte sich das Mädchen zum Nähen hingesetzt: es hielt die Nadel in der Hand und sang

»Nadel, Nadel, spitz und fein,
Mach das Haus dem Freier rein.«

Da sprang ihr die Nadel aus den Fingern und flog in der Stube hin und her, so schnell wie der Blitz. Es war nicht anders, als wenn unsichtbare Geister arbeiteten, alsbald überzogen sich Tisch und Bänke mit grünem Tuch, die Stühle mit Sammet, und an den Fenstern hingen seidene Vorhänge herab. Kaum hatte die Nadel den letzten Stich getan, so sah das Mädchen schon durch das Fenster die weißen Federn von dem Hut des Königssohns, den die Spindel an dem goldenen Faden herbeigeholt hatte.

Er stieg ab, schritt über den Teppich in das Haus herein, und als er in die Stube trat, stand das Mädchen da in seinem ärmlichen Kleid, aber es glühte darin wie eine Rose im Busch. »Du bist die ärmste und auch die reichste,« sprach er zu ihr, »komm mit mir, du sollst meine Braut sein.« Sie schwieg, aber sie reichte ihm die Hand. Da gab er ihr einen Kuss, führte sie hinaus, hob sie auf sein Pferd und brachte sie in das königliche Schloß, wo die Hochzeit mit großer Freude gefeiert ward.

Spindel, Weberschiffchen und Nadel wurden in der Schatzkammer verwahrt und in großen Ehren gehalten.
Spindel, Weberschiffchen und Nadel

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Die Holundermutter oder die Hollerfrau. Märchen

Die Holundermutter

die Holundermutter

Es ist einmal ein Mann gewesen. Dem ist die Frau gestorben, und er ist mit seinem Mädchen, dem Mariele, allein zurückgeblieben. Das Mariele war so schön, dass sich alle Burschen nach ihm umgedreht haben. Und es ist so flink und fleißig gewesen, es ist ihm alles so gut von der Hand gegangen, dass alles im Haus immer wie ein Spiegel so hell gewesen ist und dass man hätte vom Boden essen können. Bis spät in die Nacht hinein hat man die Spindel von seinem Spinnrad schnurren hören.

Neben dem Witmann hat eine Witfrau gewohnt. Die hat ein Mädchen gleichen Alters gehabt, und es hat auch Marie geheißen. Wiewohl die beiden Mädchen ganz anders geartet waren, gingen sie doch oft zusammen den gleichen Weg in die Kirche und in die Schule. Sonntags ist die Witfrau mit ihnen gegangen. Der Witmann ist Kohlenbrenner gewesen und ist nur hie und da in die Messe gekommen.

Eines schönen Tages sagt die Witfrau: »Mariele, dein Vater ist Witmann, und weil er Kohlenbrenner ist, muss er dich oft alleine lassen. Und ich bin Witfrau und lebe auch allein. Ihr zwei seid gleichaltrig. Sag deinem Vater, wir könnten viel sparen an Licht und Brand, wenn wir zusammen hausen würden.«

Das Mädchen hat seinem Vater die Nachricht ausgerichtet. Der kratzt sich hinter dem Ohr, denn er ist ein bedächtiger Mann gewesen. Dann sagt er: »Guter Sprech! Was ich gehabt habe, das weiß ich; was ich bekomme, das weiß ich halt nicht! Ich will es mir aber bis morgen überlegen und will auf ein Zeichen gehen. Wenn morgen früh der Hollerbuschen vor unserem Haus Blüten treibt, dann soll mir das ein gutes Zeichen sein, und ich will >ja< sagen. Das kannst du der Witfrau ausrichten.«

Die Holundermutter. MärchenUnd wie der Mann am anderen Morgen den Fensterladen aufschlägt, da steht der Hollerbuschen in voller Blüt‘. Da ist er zuerst erschrocken, denn Heiraten ist kein Pferdekauf! Aber, weil er auf dieses Zeichen, das er angefordert hat, gehen wollte, sagte er zu seinem Mädchen: »Geh hinüber und sag der Witfrau, der Hollerbuschen hat mir das Zeichen gegeben und hat Blüten getrieben, und ich will dem Zeichen treu bleiben und will sie heiraten.« Da ist die Witfrau herübergelaufen gekommen, und sie haben lang und breit überlegt, und sie hat dem Mann versprochen, sein Mädchen zu halten, als wenn es ihre eigene Tochter wäre, und noch viel besser, denn das hatte der Witmann zur ersten Bedingung gemacht. Und die Witfrau hat es ihm bei Gott und allen Heiligen versprochen. Da haben sie sich einander zugesagt und bald darauf geheiratet.

Wie sie jetzt zusammen gehaust haben, ging es zuerst ganz gut und schön. Die Witfrau hat dem Mariele alles Liebe und Gute angetan und hat es spinnen lassen von morgens früh bis abends spät. Und spinnen konnte das Mariele, Fäden, als wie ein Haar so fein!

Aber bald ist der Neid über die Frau gekommen. Sie hat gemerkt, dass der Mann mehr an seinem Mädchen als an ihr hing. Und wenn sie die Mädchen miteinander verglichen hat, da hat sie sich sagen müssen, dass ihr Mädchen dem anderen das Wasser nicht reichen konnte an Schönheit und Fleiß. Ihr Mädchen war rund wie eine Ofenkugel, und das andere war gewachsen wie eine Gerte, so rank und fein! Das Mädchen vom Mann hat Haare gehabt wie aus Gold gesponnen und Haut wie Milch und Blut. Ihr Mädchen hat eine gelbliche Haut gehabt und Haare, pechrabenschwarz, wie ein Zigeuner!

Und weil das Mariele von dem Mann so fleißig war und ihm alles so gut von der Hand gegangen ist, hat’s immer noch Zeit gehabt zu spinnen und hat schon eine ganze Lade voll Leinen zusammengesponnen gehabt. Weil aber ihre eigene Tochter so faul war und keinen rechten Faden zuwege gebracht hat, war ihre Lade noch ganz leer. Der Mann hat wohl gesehen, dass er einen Fehlgriff getan hatte. Aber was konnte er noch daran ändern? Nichts! Am Abend, wenn die Burschen die Dorfstraße hinauf und hinunter spaziert sind und gesungen haben und die Mädchen im Hof am Brunnen gesessen haben oder auf der Bank vor dem Haus, da hat das schöne Mädchen immer gesponnen, Fäden wie Seide so fein, und das faule hat dagesessen und hat nur ein Geknuttel zuwege gebracht. Die Burschen hatten nur ein Auge für das schöne Mädchen und zwinkerten ihm zu, und das schwarze – sie sagten die schwarze Hexe – haben sie nicht einmal angeschaut.

Märchen erzählen lernenDa wurde auch die neidisch und böse und stieß so gegen das Spinnrad, dass das Mariele sich gestochen hat und die Kunkel rot war von Blut. Und wie es sie abwaschen will, da ist die Kunkel in den Brunnen gefallen. Dann hat es geschrien, dass die Mutter herausgelaufen kam und die auch über das arme Mariele hergefallen ist und gesagt hat: »Du holst die Kunkel aus dem Brunnen, und wenn du sie nicht reichen kannst mit der Hand, setzt du dich in den Schöpfeimer, und ich lasse dich an der Kette hinunter.«

Da hat das Mariele in den tiefen Brunnen geschaut, und da hat es auf dem Wasserspiegel die Sterne so hell glitzern sehen, wie sie am Himmel stehen, und es hat keine Angst mehr gehabt und hat sich in den Schöpfeimer gesetzt, und die böse Frau und die böse Tochter haben die Kette vom Wellenbaum hinuntergelassen, und auf einmal ist ihnen der Griff aus der Hand gefahren, und der Schöpfeimer ist tiefer und tiefer in den Brunnen hinuntergefahren bis auf den Grund.

Da sieht das Mädchen auf einmal ein breites Tor vor sich. Es steigt aus, geht durch das Tor, das aus lauter roten Felsen gewesen ist, und steht auf einer Wiese mit vielen wunderschönen Blumen. Das Mädchen ist weitergelaufen, und es hat sich ihm ein dicker, alter Apfelbaum in den Weg gestellt. Da haben die schönsten rotbackigen Äpfel drauf gehangen, und sie haben gerufen: »Schüttel uns, schüttel uns ab. Wir sind schon überzeitig!«

Unser Mariele, nicht faul, stemmt sich gegen den Apfelbaum, krabbelt auf den ersten Ast, stellt sich in die Gabel und schüttelt, schüttelt aus Leibeskräften, bis alle Äpfel heruntergefallen sind. Dann hat es sie im Gras zusammengesucht und hat sie auf einen Haufen gelegt. Dann ist das Mariele weitergegangen. Da steht eine rotscheckige Kuh vor ihm und brüllt: »Melk mich! Melk mich! Ich kann meine Milch nicht mehr halten.« Das Mariele nimmt den Eimer, der da steht, schürzt sich seinen Rock auf, setzt sich unter die Kuh und melkt sie. Wie es jetzt noch ein Stück weitergekommen ist, da steht mitten auf der Wiese ein Backofen vor ihm, und das Brot schreit: »Zieh uns heraus, zieh uns heraus, sonst verbrenn ich!« Und das Mariele nimmt die Ofenschieß, die da vor dem Backofen liegt, und hantiert damit wie ein Bäcker und nimmt einen Laib Brot nach dem anderen heraus und stellt sie nebeneinander auf und geht weiter.

Märchentherapie

Jetzt gewahrt das Mariele ein kleines Haus, geht drauf zu und sieht eine alte Frau davor sitzen, die spinnt goldene Fäden, wie Spinngewebe so fein, wie das Mariele noch keine gesehen hat. Da bleibt es stehen und kann kein Auge mehr von dem Gespinst wenden, und die Alte sagt zu ihm: »Du kommst mir gerade recht! Willst du bei mir bleiben? Es soll dich dein Lebtag nicht gereuen! Ich will dir zeigen, wie man alles profitlich macht, und zu essen sollst du haben, Herz, was begehrst du? Nur eines musst du machen, sooft ich es dir auftrag‘! Die Betten musst du schütteln, dass die Daunen wie Schneeflocken fliegen! Dann schneit es auf der Welt!« Das Mariele sagt: »Ich will alles gerne machen, wie Ihr es haben wollt. Aber wie heißt Ihr denn, und wie muss ich Euch nennen?« – »Ich bin die Hollerfrau«, hat sie gesagt und hat das Mariele ins Haus geführt.

Das Mariele war anstellig und fleißig, so dass die Hollerfrau ihre Freude an ihm gehabt hat. So ist ein Jahr herumgegangen. Da hat das Mariele Heimweh bekommen und hat sich Sorgen gemacht um seinen Vater und ist oft mit roten Augen herumgegangen. Das hat die Hollerfrau gesehen, und weil sie ein gutes Herz gehabt hat, sagte sie zu dem Mariele: »Du hast mir treu und ehrlich gedient. Du sollst deinen Lohn dafür haben. Zuerst nimm hier das Säckchen voll Flachssamen und säe ihn auf den Acker an deines Vaters Haus. Der Samen wird zu Goldkörnern, wenn du das tust und fleißig weiterspinnst.«

Das Mariele bedankte sich, schnürte sein Bündel und ging heimwärts, so wie es herwärts gekommen war. Es kam wieder auf die Wiese mit den vielen Blumen und an das große Felsentor. Da schaute es sich noch mal nach dem Häuschen und der guten alten Hollerfrau um. Und wie das Mariele unter dem Felsentor steht, da fällt ein warmer Regen auf es nieder, und wie es an sich herunterlugt, da sind seine Kleider, seine Schuhe, seine Strümpfe aus lauterem Gold und auch sein Haar, das wie ein goldener Mantel um es lag. Das Mädchen kam aus dem Staunen nicht heraus! Schon war es auf dem Brunnengrund, und da rasselte die Kette mit dem Schöpfeimer herunter. Mein Mariele hinein und der Schöpfeimer mit ihm in die Höhe, es springt auf den Brunnenrand, hüpft hinunter, springt gegen das Haus, und wie es am Misthaufen vorbeikommt, da ruft der Hahn und schlägt mit seinen Flügeln: »Kikeriki, Kikeriki, unsere Goldmarie ist wieder hie!« Das Mariele stürmt in das Haus, am Hollerbuschen vorbei, in die Küche und findet dort den Vater und die Vatersfrau und die schwarze Marie. Die schlagen die Hände überm Kopf zusammen und wissen nicht, was sie sagen sollen, und es muss alles erzählen und sein Säckchen mit den Flachssamen zeigen.

Märchen von himmelhohen BäumenJetzt sagt die schwarze Marie, dass sie es auch so machen will. Sie wirft ihre Spindel in den Brunnen und springt ihr nach, und alles geht, wie es der Goldmarie ergangen ist. Aber das Mädchen melkt die Kuh nicht und schüttelt die Äpfel nicht und zieht das Brot nicht aus dem Backofen, und alle rufen ihm nach: »Sollst Glück haben!« Es kommt vor das Häuschen. Dort sitzt die Hollerfrau und spinnt einen Faden, aber einen dicken und schwarzen. Das Mädchen verdingt sich ihr. Alles geht gut in den ersten Tagen, aber dann war ihm das Bettenschütteln zuviel, dann hat es keine Stube auskehren wollen, und ganz bald hat die Hollerfrau zu ihm gesagt: »Du kannst wieder heimgehen, dein Lohn soll sein wie deine Arbeit.« Und die Hollerfrau gab ihm ein Säckchen mit Distelsamen und hat zu ihm gesagt: »Säe den auf den Acker, den deine Mutter dir hinterlässt.«

Das Mädchen ist den gleichen Weg heimgegangen, wie es gekommen ist, und wie es unter dem Tor steht, da fällt ein schwerer heißer Regen auf es, und wie es an sich hinunterschaut, da war es über und über mit Pech bedeckt. Es hat geglaubt, im Brunnen könnt“ es das Pech wieder abwaschen. Aber nein! Wie das Mädchen am Mist vorbeikommt, da kräht der Hahn: »Kikeriki, Kikeriki, unsere schwarze Pechmarie ist wieder hie!« Und wie es am Hollerbuschen vorbeigeht, da fallen alle Blätter herunter; wie es in die Küche tritt, da ist die Mutter so erschrocken, dass sie kreideweiß geworden ist wie die Wand und aufgeschrien hat und umgefallen ist und tot war.

Die Goldmarie hat Mitleid gehabt mit der Pechmarie und hat sie bei sich behalten und ihr eine Kammer angewiesen, die auf den Garten zu ging hinter dem Haus. Da hat nun die Pechmarie gesessen bis an ihr Lebensende, denn unter die Leute konnte sie ja nicht mehr gehen. Und wie sie ihren Samen gesät hat, da war alles voller Disteln, und der Goldmarie ihr Samen, der hat in heller, himmelblauer Blüte gestanden, und es hat einen Flachs gegeben, wie weit und breit kein Flachsacker zu sehen war. Die Goldmarie hat aus dem Flachs den feinsten Faden gesponnen und hat sich eine große Lade voll Linnen zusammengesponnen, und wie eines Tages der reichste Bauer gekommen ist und um die Hand der Goldmarie angehalten hat, da hat der alte Kohlenbrenner seinen Segen dazu gegeben.

Und wie der Hollerbusch wieder Blüten getrieben hat, da ist die Hochzeit gewesen, und es war das schönste Paar, das man weit und breit eh und je gesehen hat. Die Goldmarie ist auf den großen Bauernhof gezogen, hat weiter ihren Flachs angebaut und hat an den Winterabenden weitergesponnen. Den Vater haben sie mitgenommen und haben der Pechmarie das Häuschen gelassen. Und wenn die Pechmarie einmal aus dem Fenster gelugt hat, da sind die Kinder fortgelaufen aus Angst vor der schwarzen Hexe. Rund um das Häuschen sind die Disteln gewachsen, und die Pechmarie hat nie mehr Herr werden können darüber bis an ihr Lebensende.

Märchen von BüschenDen Hollerbuschen hat der Kohlenbrenner ausgegraben und mitgenommen, und wie die Goldmarie Kinder bekommen hat, da haben die darunter gespielt, und die Goldmarie und ihr Mann, die Kinder und der Vater haben glücklich zusammen gelebt, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie halt heutigentags noch!

Die Hollerfrau. Märchen aus Lothringen

Dieses Märchen wurde 1938 von Frau Augustine Göster, der wandelnden Ortschronik, erzählt. Sie war besonders bewandert in der Melusinen-Sage die auf der Lützelburg spielt.

* * * * * * *

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Frau Holle Märcheninterpretation mit Anleitung zum selbst interpretieren
Mehr schöne Frau-Holle Märchen
finden Sie in dem Büchlein:
Die Lebensgesichter der Frau Holle.

Die Lebensgesichter der Frau HolleInhalt des Büchleins:
Die vielen Gesichter von Frau Holle.
Kleine Einführung zu den Frau Holle Märchen
von Jean Ringenwald
* Frau Holles Wundergarten
* Die Haulemutter und die Brautkrone
* Goldtöchterchen und Pechmagd
* Frau Holle (Urfassung)
* Die Schöne und die Häßliche
* Die dreizehnte Kammer
* Die weise Alte und das Lebenswasser
* Die ungleichen Brüder
* Der Hollewagen
* Der Heimchenkönigin Überfahrt

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Die schöne Königstochter im Garten. Märchen

Die schöne Königstochter im Garten

Noch mehr MärchenLieben Sie auch die blühenden Gärten mit ihren Blumen aller Arten, den prächtigen Bäumen die im Herbst üppig beladen sind mit den süßen und saftigen Früchten? Im folgenden Märchen ist die Mutter von drei Burschen in großer Not und die Söhne wollen ihr bestes tun um Abhilfe zu schaffen. Sie finden einen Garten . . . Aber lesen Sie selbst wie sich alles zugetragen hat:

Eine arme Frau hatte drei Söhne und keinen Mann und auch nichts zu essen, und das tat ihr so weh, dass sie meinte, das Herz im Leibe müsste ihr zerspringen vor lauter Jammer und Not, und sie setzte sich hin und weinte bittere Tränen. Als die drei Söhne das sahen, tat es ihnen leid, und der älteste sprach zu seiner Mutter:

»Mutter, gib mir einen Kuchen,
 flick mir meine Hosen,
 ich will auf Reisen gehn.«

Da gab ihm die Mutter einen Kuchen und flickte ihm seine Hose, und er ging weg und kam in einen großen Wald; und darin ging er immer weiter und weiter, bis es stockdunkel geworden war. Da kletterte er auf einen hohen Baum und sah, wie von fern ein ganz kleines Lichtlein schimmerte; auf das Lichtlein ging er zu und wanderte die ganze Nacht; und als es Morgen geworden war, da stand er vor einem wunderschönen Schlosse, das glänzte, als wenn es von lauter Diamanten gewesen wäre. Weil das Tor nun offen stand, ging er hinein und kam in einen Garten;

aber der war so schön, oh, so schön, wie noch kein Mensch in der ganzen Welt einen gesehen hatte. Wo er nur hinschaute, da standen Blumen und Bäume mit Äpfeln und Birnen und goldenen Nüssen, und er hatte so große Freude daran, dass er immer weiter fortging, bis er an das Ende kam; da sah er eine Königstochter sitzen, die war von so großer Schönheit, dass er im ersten Augenblick glaubte, es wäre ein Engel aus dem Himmel. Er zog höflich sein Käpplein und sprach: »Gott grüß Euch, schöne Jungfrau!« – »Schönen Dank«, antwortete die Königstochter. »Aber sage mir nun auch, was dir am besten gefällt in meinem Garten.« Darauf antwortete der Älteste: »Ach, schöne Jungfrau, das sind die lieben Blümelein.« – »Ei, du dummer Tölpel«, sprach die Königstochter, »weißt du nichts Schöneres, dann, marsch, fort mit dir in den Keller!« und damit nahm sie ihn beim Kragen und setzte ihn in den Keller.

Als der Älteste nun nicht wiederkehrte, da sprach der zweite zu seiner Mutter:

»Mutter, gib mir einen Kuchen,
 flick mir meine Hosen,
 ich will auf Reisen gehn.«

Da gab ihm die Mutter einen Kuchen und lappte ihm seine Hose, und er zog fort, immer weiter bis in den großen Wald und endlich bis an das Schloss; da ging er rundherum in dem Garten, bis er an die Laube kam, wo die schöne Königstochter saß. »Gott grüß Euch, schöne Jungfrau«, sprach er. »Schönen Dank«, antwortete die Königstochter. »Aber sage mir nun auch, was dir in meinem Garten am besten gefällt.«
Darauf antwortete der zweite: »Ach, schönste Jungfrau, das sind die roten Äpfel und die gelben Birnen und die goldenen Nüsse.« »Ei, du dummer Tölpel«, sprach da die Königstochter, »weißt du nichts Besseres, dann, marsch, sofort mit dir in den Keller.« Und sie fasste ihn am Kragen und setzte ihn in den Keller.

Als der zweite nun auch nicht zurückkehrte, da beschloss der Jüngste, sein Glück zu versuchen, und er sprach zu seiner Mutter denselben Vers wie seine Brüder. Da gab ihm die Mutter einen Kuchen und lappte seine Hose, und er zog aus und kam gleichfalls in den Wald und an das glänzende Schloss. Er verwunderte sich über die Maßen ob der schönen Blümelein und der lachenden Früchte, bekam auch wohl Lust, einmal davon zu kosten, doch bezwang er sich und ging immer fort, bis er von ferne die Königstochter erblickte. »Nein«, sprach er da zu sich selbst, »ein so schönes Mädchen habe ich doch in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen«, und er zog sein Käpplein und trat ihr näher und grüßte sie höflich: »Gott grüß Euch, schöne Jungfrau!« – »Schönen Dank«, entgegnete die Königstochter; »aber sage mir doch, was dir in meinem Garten am besten gefällt.« – »Ach, das seid Ihr, schöne Jungfrau, denn neben Euch sieht man keine Blümelein und keine Äpfel und nichts«, sprach der Jüngste schnell.

Da fiel die Königstochter ihm um den Hals und sprach: »Du bist mein und ich bin dein und du bist mein lieber Mann«, und sie führte ihn in das Schloss, und am andern Tage wurde die schöne Königstochter seine Frau, und sie lebten zufrieden und glücklich miteinander. Die beiden Brüder holten sie aus dem Keller und schickten sie eilends nach Haus.

Märchen aus Siebenbürgen

Fragen zum Märchen,
die Ihnen Freude machen sollen sie zu beantworten
und deren Botschaften Ihr Leben bereichern können:

* Hätten Sie einen solchen Garten,
was wäre für Sie das Schönste?

* Wagen Sie es,
das Aller-, Allerschönste was es in diesem Garten gibt, anzusprechen?

* Wenden Sie sich diesem Allerschönsten zu,
stellen Sie es sich bildhaft vor.

* Welche Energie strahlt es aus?
Lassen Sie dieser Schönheit Goldenes Licht
aus Ihrem Herzen zufließen.

* Lassen Sie das Bild aufkommen
von dem folgenden Märchenzitat:

Da fiel die Königstochter ihm um den Hals und sprach:
“Du bist mein und ich bin dein
und du bist mein lieber Mann.”

Fühlen Sie die Energie, die von diesem Bilde ausgeht
und nehmen Sie diese in sich auf,
atmen Sie sie immer wieder ein,
bis in die Füße.

Die Liebe von der hier im Märchen gesprochen wird, ist die höchste,
die nach der erotischen und der brüderlichen Liebe kommt,
die allumfassende Liebe.

Noch mehr Märchen finden Sie in der Rubrik Märchen:
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Wie Sie mit Märchen Ihr Leben in Harmonie bringen können
finden Sie im folgenden Beitrag:
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Ihr erfülltes Leben zu verwirklichen

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