Märchen mit Drachen.

 Märchen mit Drachen

Märchen mit Drachen
Das folgende Märchen zeigt, wie wohl das Leben es mit dem Märchenhelden meint und so möge es auch für Dich sein. Es macht Dir Mut, Dich von keinem Hindernis abhalten zu lassen und schildert die optimale Eigeninitiative eines ganz besonderen Helfers. Mit diesem Märchen wünsche ich Dir viel Freude!

Es war einmal ein armer Mann, der hatte so viele Kinder, als Löcher sind in einem Sieb, und hatte alle Leute in seinem Dorfe schon zu Gevatter gehabt; als ihm nun wieder ein Söhnlein geboren wurde, setzte er sich an die Landstraße, um den ersten besten zu Gevatter zu bitten.

Da kam ein alter Mann in einem grauen Mantel die Straße, den bat er, und dieser nahm den Antrag willig an, ging mit und half den Knaben taufen. Der alte Mann aber schenkte dem Armen eine Kuh mit einem Kalb; das war an demselben Tage, an welchem der Knabe geboren, zur Welt gekommen und hatte vorn an der Stirne einen goldnen Stern und sollte dem Kleinen gehören.

Als der Knabe größer war, ging er mit seinem Rind, das war nun ein großer Stier geworden, jeden Tag auf die Weide. Der Stier aber konnte sprechen, und wenn sie auf dem Berg angekommen waren, sagte er zum Knaben: »Bleibe du hier und schlafe, indes will ich mir schon meine Weide suchen!« Sowie der Knabe schlief, rannte der Stier wie der Blitz fort und kam auf die große Himmelswiese und fraß hier goldne Sternblumen. Als die Sonne unterging, eilte er zurück und weckte den Knaben, und dann gingen sie nach Hause. Also geschah es jeden Tag, bis der Knabe zwanzig Jahre alt war.

Da sprach der Stier eines Tages zu ihm: »Jetzt sitze mir zwischen die Hörner, und ich trage dich zum König; dann verlange von ihm ein sieben Ellen langes eisernes Schwert und sage, du wollest seine Tochter erlösen.«

Bald waren sie an der Königsburg; der Knabe stieg ab und ging vor den König und sagte, warum er gekommen sei. Der gab gern das verlangte Schwert dem Hirtenknaben; aber er hatte keine große Hoffnung, seine Tochter wiederzusehen, denn schon viele kühne Jünglinge hatten es vergeblich gewagt, sie zu befreien. Es hatte sie nämlich ein zwölfhäuptiger Drache entführt, und dieser wohnte weit weg, wohin niemand gelangen konnte; denn erstens war auf dem Wege dahin ein hohes unübersteigliches Gebirge, zweitens ein weites und stürmisches Meer und drittens wohnte der Drache in einer Flammenburg. Wenn es nun auch jemandem gelungen wäre, über das Gebirg und das Meer zu kommen, so hätte er doch durch die mächtigen Flammen nicht hindurchdringen können, und wäre er glücklich durchgedrungen, so hätte ihn der Drache umgebracht.

Als der Knabe das Schwert hatte, setzte er sich dem Stier zwischen die Hörner, und im Nu waren sie vor dem großen Gebirgswall. »Da können wir wieder umkehren«, sagte er zum Stier, denn er hielt es für unmöglich, hinüber zu kommen. Der Stier aber sprach: »Warte nur einen Augenblick!« und setzte den Knaben zu Boden. Kaum war das geschehen, so nahm er einen Anlauf und schob mit seinen gewaltigen Hörnern das ganze Gebirge auf die Seite, also, dass sie weiterziehen konnten.

Nun setzte der Stier den Knaben sich wieder zwischen die Hörner, und bald waren sie am Meere angelangt. »Jetzt können wir umkehren!« sprach der Knabe, »denn da kann niemand hinüber!« – »Warte nur einen Augenblick!« sprach der Stier, »und halte dich an meinen Hörnern.« Da neigte er den Kopf zum Wasser und soff und soff das ganze Meer auf, also dass sie trocknen Fußes wie auf einer Wiese weiterzogen.

Nun waren sie bald an der Flammenburg. Aber da kam ihnen schon von weitem solche Glut entgegen, dass der Knabe es nicht mehr aushalten konnte. »Halte ein!« rief er dem Stiere zu, »nicht weiter, sonst müssen wir verbrennen.« Der Stier aber lief ganz nahe und goss auf einmal das Meer, das er getrunken hatte, in die Flammen, also dass sie gleich verlöschten und einen mächtigen Qualm erregten, von dem der ganze Himmel mit Wolken bedeckt wurde.

Aber nun stürzte aus dem fürchterlichen Dampfe der zwölfhäuptige Drache voll Wut hervor. »Nun ist es an dir!« sprach der Stier zum Knaben, »siehe zu, dass du auf einmal dem Ungeheuer alle Häupter abschlägst!« Der nahm alle seine Kraft zusammen, fasste in beide Hände das gewaltige Schwert und versetzte dem Ungeheuer einen so geschwinden Schlag, dass alle Häupter herunterflogen.

Aber nun schlug und ringelte sich das Tier auf der Erde, dass sie erzitterte. Der Stier aber nahm den Drachenrumpf auf seine Hörner und schleuderte ihn nach den Wolken, also, dass keine Spur mehr von ihm zu sehen war.

Dann sprach er zum Knaben: »Mein Dienst ist nun zu Ende. Gehe jetzt ins Schloss, da findest du die Königstochter und führe sie heim zu ihrem Vater!« Damit rannte er fort auf die Himmelswiese, und der Knabe sah ihn nicht wieder.

Der Junge aber fand die Königstochter drinnen, und sie freute sich sehr, dass sie von dem garstigen Drachen erlöst war. Sie fuhren nun zu ihrem Vater, hielten Hochzeit, und es war große Freude im ganzen Königreiche.

Die Königstochter in der Flammenburg
Märchen aus Siebenbürgen. Gesammelt von Josef Haltrich

Die Heilkraft der Märchen

Das Märchen folgt einem natürlichen Lebensprinzip, das machen seine Urbilder sehr deutlich und so ist es möglich der Seele durch Märchen zu helfen den Weg zu finden zu Erfüllung, zu Glück und zur Harmonie. Lesen Sie mehr dazu hier:

Märchen im Advent

Der Advent ist die Zeit in der das kleine Licht das Herz, die Seele erhellen mag und dies ist mit Märchen so wunderbar möglich, es bringt Licht in die Gedanken und Gefühle. Erhellen Sie Ihr Gemüt mit Märchen inder Adventszeit 🙂

 

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Rote und weiße Rose. Märchen

                                   Rote und weiße Rose

Rote und weiße Rose. Märchen Rote und weiße Rose. Märchen

Es waren einmal ein König und eine Königin, die waren schon viele Jahre miteinander vermählt. Ihr sehnlichster Wunsch nach einem Kinde war ihnen jedoch noch immer nicht in Erfüllung gegangen, und sie waren darüber sehr traurig.

Als die Königin eines Tages sinnend und kummervoll im Garten des Schlosses einherging, da begegnete ihr eine alte Frau. Diese fragte sie, warum sie denn gar so unglücklich ausschaue.

„Ach, wenn du es auch wüsstest, du kannst mir doch nicht helfen“, antwortete die Königin.
„Wer weiß, vielleicht kann ich dir raten“, sprach die Alte. Da vertraute ihr die Königin ihr Leid an.

„Oh, da ist Euch wohl zu helfen, wenn Ihr auf meinen Rat hören wollt“, gab da die alte Frau zur Antwort. „Am Abend, wenn die Sonne untergegangen sein wird, dann nehmt eine Schüssel und stellt sie in der Nordwestecke des Gartens auf. Am Morgen, bei Sonnenaufgang aber, da nehmt die Schüssel wieder weg. Es werden zwei Rosen an jenem Orte stehen, eine rote und eine weiße. Nehmt Ihr nun die rote und esst sie, so wird euer Kind ein Mädchen, nehmt Ihr aber die weiße, so wird es ein Knabe. Aber beide zusammen dürft Ihr nicht nehmen.“

Rote und weiße Rose. MärchenDie Königin ging nach Hause und tat, wie die Alte ihr gesagt hatte. Als sie bei Sonnenaufgang die Schüssel aufhob, siehe, da standen da zwei Rosen, eine rote und eine weiße. Lange überlegte sie hin und her, welche der Rosen sie nehmen sollte. Endlich fiel ihre Wahl auf die rote, denn sie dachte bei sich, eine Tochter könnte bei ihr zu Hause bleiben und später in einem anderen Reiche Königin werden, während ein Sohn vielleicht im Kriege sein Leben verlieren würde. Also ergriff sie die rote Rose und verspeiste sie. Diese aber schmeckte gar vorzüglich, und es gelüstete sie so sehr nach der anderen, dass sie die Warnung der alten Frau vergaß und auch diese verspeiste. Dabei sprach sie zu sich selber: „Sind es nun Zwillinge, so habe ich zwei Kinder.“

Nun geschah es, dass der König in den Krieg gezogen war. Voller Freude schrieb ihm die Königin, sie trage ein Kind unter ihrem Herzen.

Als es an der Zeit war, dass sie gebären sollte, da war ihr Schmerz groß, denn in der Wiege lag kein Menschenkind, sondern ein kleiner Lindwurm.

Endlich kam der König nach Hause zurück. Die Königin stand am Schlosstor, um ihn zu begrüßen. Da sprang auch der Lindwurm herbei und rief: „Willkommen zu Hause, mein Vater!“ „Was sagst du“, rief der König entsetzt, „ich soll dein Vater sein?“
„Willst du nicht mein Vater sein, so fresse ich euch alle auf und zerstöre das ganze Königreich.“ Da musste der König ihn als seinen Sohn annehmen. Die Königin gestand ihm alles, was sich zwischen der Alten und ihr zugetragen.

Der Lindwurm aber wuchs und wuchs und war bald zu einem riesigen Ungeheuer herangewachsen, das eine ganze Kammer allein ausfüllte.
Eines Tages sprach er zu seinen Eltern: „Ich bin jetzt alt genug. Es ist an der Zeit, dass ich mich verheirate.“

Rote und weiße Rose. MärchenDa ließen der König und die Königin im ganzen Land bekanntmachen, dass ihr Sohn eine Gemahlin suche. Aber als die jungen Frauen erfuhren, dass der Königssohn ein Lindwurm sei, da wollte sich keine mit ihm vermählen. Der Lindwurm aber sprach: „Bekomme ich keine Frau, so vernichte ich das ganze Reich.“

In ihrer Not ging die Königin zu allen armen Bauernmädchen, ja selbst zu den Bettlerinnen. Keine aber wollte den Lindwurm heiraten. Endlich gelangte sie zu der Hütte eines Schäfers, der hatte eine Tochter, die war über alle Maßen schön. „Willst du nicht meinen Sohn heiraten und Königin werden? Du sollst im Schloss wohnen, in Samt und Seide gekleidet sein und auf Daunen liegen.“ „Oh, Frau Königin, ich schlafe gut auf Stroh, und habe ich auch nicht viel, das ich mein eigen nennen kann, so freue ich mich doch meines Lebens. Euer Sohn aber wird mich verschlingen!“ Da weinte die Königin bittere Tränen und klagte, dann müssten wohl alle sterben, denn der Lindwurm habe gedroht, dass er das Land vernichten würde, wenn er keine Frau bekäme.

Als die Schäferstochter dies hörte, da wurde sie sehr traurig, und sie erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Mit schwerem Herzen ging sie in den Wald und grübelte hin und her. Wie sie so ging, begegnete sie auf einmal einer alten Frau. Diese fragte sie, warum sie denn gar so unglücklich dreinschaue. „Ich habe wohl Grund, traurig zu sein“, sprach sie und vertraute der Alten all ihren Kummer und ihre Not an. „Befolgst du meinen Rat, so ist dir wohl zu helfen“, antwortete die alte Frau. „Höre, was ich dir sage. Nimm den Lindwurm zum Manne, habe keine Furcht. Wenn ihr aber allein in der Kammer sein werdet, so wird er sagen: Zieh dein Hemd aus, schöne Jungfrau. Darauf sagst du ihm, zieh deine Haut aus. Da wird er dir gehorchen und die erste Haut ablegen. Du aber ziehst dein erstes Hemd aus, denn du trägst noch sechs andere darunter. So wird es fortgehen, bis er sich all seiner Häute und du all deiner Hemden entledigt. Dann wird er schwach und halbtot sein. Nun wasche ihn mit Salzlauge und bade ihn danach in warmer süßer Milch, wickle ihn in deine Hemden und du wirst sehen, alles wird gut sein.“

Das Mädchen dankte der Alten und tat, wie ihr geheißen.

Als sie nach dem Kirchgang mit dem Lindwurm allein in der Kammer war, da befahl dieser: „Zieh dein Hemd aus, schöne Jungfrau!“ Sie aber antwortete ihm: „Zieh du deine Haut aus.“ Da fauchte und zischte der Lindwurm, und doch musste er ihr zu Willen sein. Aber nun erhob er sich furchtbar gegen seine junge Frau und brüllte sie an: „Zieh dein Hemd aus, schöne Jungfrau!“
Sie aber antwortete ihm mit fester Stimme: „Zieh du zuerst deine Haut aus!“
Noch fürchterlicher tobte und wütete der Lindwurm, und doch tat er nach ihren Worten. Und so ging es nun mit allen sieben Häuten. Immer schrecklicher donnerte die Stimme des Ungeheuers, und immer näher drängte es sein grausiges Gesicht mit den glühenden Augen gegen das ihre. Immer wilder tobte es, spie Feuer und Schwefel und ließ das ganze Schloss erbeben. Die junge Frau aber blieb standhaft, wenn auch ihre Glieder zitterten und ihre Kräfte schwanden.

Als der Drache ohne seine Häute halbtot am Boden lag, wusch sie ihn mit der Salzlauge, badete ihn in warmer süßer Milch und wickelte ihn in ihre Hemden. Dann versank sie in einen tiefen Schlaf.

Wie groß aber war ihre Freude, als sie am Morgen in den Armen eines wunderschönen Jünglings erwachte. Der beugte sich über sie und küsste sie und sprach: „Hab Dank, schöne Schäferstochter, du hast mich erlöst.“

Nun wurde die Hochzeit erst in rechter Pracht gefeiert, und der Jüngling wurde nach dem Tode seines Vaters ein guter und gerechter König.

König Lindwurm. Dänisches Volksmärchen

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